Osteoporose

Dr. Hans Groh absolvierte sein Medizinstudium an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Nach Assistenz- und Facharztstationen in Aachen und Geilenkirchen wurde er 2008 als Oberarzt für Orthopädie/Unfallchirurgie und Chirurgie an das Elisabeth-Krankenhaus in Essen berufen.
„Jeder hat es selbst in der Hand, richtig vorzubeugen“
Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, zählt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den zehn häufigsten Volkskrankheiten. Im Interview erklärt Dr. Hans Groh, Oberarzt für Orthopädie/Unfallchirurgie und Chirurgie am Elisabeth-Krankenhaus in Essen, die Ursachen von Osteoporose und sagt, wie jeder rechtzeitig vorbeugen kann.
Was ist Osteoporose?
Osteoporose ist eine Volkskrankheit, die bereits mehr als ein Viertel aller Über-50-Jährigen in Deutschland betrifft – Tendenz steigend. Die Erkrankung ist durch eine Störung im Knochenstoffwechsel gekennzeichnet, wodurch die Knochenmasse über das normale Maß hinaus abnimmt und die Knochenstruktur beeinträchtigt wird. Als Folge wird der Knochen porös, verliert an Stabilität und kann schon bei geringen Belastungen wie kleinen Stürzen, beim Heben der Einkaufstasche, beim Bücken oder Niesen brechen.
Wer ist besonders betroffen?
An Osteoporose erkranken in der Mehrzahl ältere Menschen. Doch nicht nur Über-50-Jährige können an Knochenschwund leiden, auch jüngere Menschen – übrigens Männer wie Frauen – und sogar Kinder können betroffen sein. Darüber hinaus gibt es erbliche Veranlagungen. Besonders gefährdet sind Frauen mit Hormonstörungen jenseits der Wechseljahre. Aber auch extrem untergewichtige Menschen wie etwa Magersüchtige sind stärker gefährdet. Darüber hinaus sind Menschen mit Kalzium- und Vitamin-D-Mangelerscheinungen, an denen zum Beispiel Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz verstärkt leiden, sowie Raucher potenziell häufiger betroffen.
Woran erkenne ich Osteoporose?
Im Anfangsstadium kann Osteoporose nur durch eine Knochendichtemessung festgestellt werden. Dabei wird die Dichte der Knochen im Lendenwirbel- und Hüftbereich mit Hilfe geringer Röntgenstrahlen gemessen. Das Ergebnis wird mit der durchschnittlichen Knochendichte erwachsener Menschen verglichen. Allerdings übernehmen Krankenkassen die Kosten für eine Messung – sie liegen bei etwa 30 bis 50 Euro – erst dann, wenn ein Knochenbruch vorliegt und dieser aus dem für die Osteoporose typischen geringfügigen Anlass resultiert.
Welche Vorbeugemöglichkeiten bestehen?
Grundsätzlich gilt: Jeder hat es selbst in der Hand, richtig vorzubeugen. Ausreichend Bewegung an der frischen Luft und eine kalziumreiche Ernährung mit vielen Milchprodukten, Brokkoli, Petersilie oder Seefisch bilden die Basis für einen gesunden Knochenbau. Neben Vitamin D ist natürlich auch Kalzium entscheidend am Aufbau von Knochenmasse beteiligt. Daher sollte man etwa 1.000 bis 1.500 Milligramm des Mineralstoffs pro Tag zu sich nehmen. Das entspricht beispielsweise einem halben Liter Milch und zwei Scheiben Schnittkäse. Neben der Ernährung ist außerdem das Sonnenlicht eine wichtige Quelle zur Regulation des Kalziumhaushalts. In Verbindung mit UV-Strahlen kann der Körper in den oberen Hautschichten Vitamin D bilden, das die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm positiv beeinflusst. Schließlich sind beide Stoffe für den Aufbau der Knochenmasse mitverantwortlich. Jedoch ist auf die Menge der UV-Strahlen zu achten, da zu große Dosen die Bildung von Hautkrebs fördern.
Können Sie auch fettarme Milchprodukte empfehlen?
Bei fettarmen Milchprodukten ist der Kalziumgehalt gegenüber Produkten mit normalem Fettgehalt erfreulicherweise identisch. Grund ist, dass der Mineralstoff an das Milcheiweiß und nicht an Fette gebunden ist. Auch H-Milch im Getränkekarton ist ein vollwertiger Kalziumlieferant, denn die Ultrahocherhitzung hat keinen Einfluss auf den Mineralstoffgehalt. H-Milch hat zudem den Vorteil, dass sie durch die keimfreie Abfüllung im Tetra Pak-Karton auch ungekühlt lange haltbar ist und die wertvollen Inhaltsstoffe der Milch vor Licht und Luft geschützt werden.
Können Menschen, bei denen Osteoporose diagnostiziert wurde, den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen?
Eindeutig ja. Wenn Knochenschwund diagnostiziert wurde, gilt es als Erstes zu überlegen, was am eigenen Lebensstil geändert werden kann. Dabei ist vor allem wichtig, dass man sich knochengesünder ernährt, dass heißt Nikotin und Alkohol meidet und sich mehr bewegt. Ergänzend können spezifische Therapeutika zur Verfügung gestellt werden. Es handelt sich hierbei um Medikamente, deren Wirksamkeit in umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen bewiesen wurde. Natürlich entscheidet der behandelnde Arzt, ob eine derartige Behandlung schon nötig ist oder nicht.
Kann man bereits in jungen Jahren gegen Knochenschwund aktiv werden?
Gerade in jungen Jahren wird das Fundament für eine gesunde Knochenstruktur gelegt. Kalzium bildet dabei die Basis für einen gesunden Knochenstoffwechsel, da der Mineralstoff in Verbindung mit Vitamin D für den Aufbau der Knochenmasse im Körper verantwortlich ist. Deshalb sollten auch junge Menschen Wert auf eine kalziumreiche Ernährung legen.
Lohnt es sich, auch im Alter noch vorzubeugen?
Prävention und ein behutsamer Umgang mit dem eigenen Körper lohnen immer. Auch im fortgeschrittenen Alter tragen eine kalziumreiche Ernährung sowie ausreichend Bewegung zur Stärkung der Knochen bei. Ein weiterer Tipp: Menschen mit einer Laktoseintoleranz brauchen auf ihre tägliche Portion Kalzium nicht zu verzichten. Laktosefreie und mit einer Extraportion Kalzium angereicherte H- oder Vollmilch ist mittlerweile in vielen Supermärkten zu erschwinglichen Preisen erhältlich.